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Was ist eine
mikroskopische Kolitis?

Die mikroskopische Kolitis ist eine langanhaltende (chronische) Entzündung, die den Dickdarm (das Kolon) betrifft. Aus medizinischer Sicht wird sie zu den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen gezählt.

Experten gehen davon aus, dass die mikroskopische Kolitis verantwortlich ist für 1 von 10 chronischen Durchfällen.

Wenn sich Patienten mit mikroskopischer Kolitis einer Darmspiegelung
(Koloskopie) unterziehen, sieht der Arzt mit bloßem Auge keine Auffälligkeiten außer vielleicht leichte Rötungen oder Schwellungen der Darmschleimhaut. Erst nach der Entnahme von Gewebeproben und deren Untersuchung unter dem Mikroskop lässt sich eine mikroskopische Kolitis erkennen – daher der Name. Sie kommt in zwei Erscheinungsformen vor:

Die kollagene Kolitis fällt durch eine verdickte Schicht aus dem Zelleiweiß Kollagen im Darmgewebe auf.

Bei der lymphozytären Kolitis ist die Zahl bestimmter Zellen des Immunsystems, der Lymphozyten, im Darmgewebe erhöht.

Trotz dieser Unterschiede, sind die durch beide Erscheinungsformen verursachten Beschwerden sehr ähnlich.

Welche Beschwerden macht
die mikroskopische Kolitis?

Die mikroskopische Kolitis ist keine lebensbedrohliche Erkrankung. Sie kann aber sehr belastend sein und die Lebensqualität Betroffener erheblich einschränken.

Das wichtigste Merkmal sind nicht-blutige, wässrige Durchfälle. Sie treten anhaltend auf, das heißt über mehr als vier Wochen. Die Stärke der Beschwerden kann von leichtem Durchfall bis hin zu schweren Durchfällen reichen, die das Alltagsleben stark einschränken. Betroffene spüren plötzlichen Stuhldrang und müssen sich ständig beeilen, um es rechtzeitig bis zur Toilette zu schaffen. Sie leiden unter der Angst vor der Unfähigkeit, den Abgang von Stuhl aus dem Enddarm willentlich zu kontrollieren (Stuhlinkontinenz).

Etwa die Hälfte der Patienten mit mikroskopischer Kolitis zeigt eine Gewichtsabnahme und/oder krampfartige Bauchschmerzen. Häufig klagen die Betroffenen über Müdigkeit.

Die mikroskopische Kolitis ist keine lebensbedrohliche Erkrankung. Bei manchen Patienten lassen die Beschwerden nach einigen Wochen oder Monaten von alleine nach. Bei anderen Betroffenen hingegen treten die wässrigen Durchfälle über Jahre hinweg immer wieder auf oder sie halten an.

Wie entsteht eine
mikroskopische Kolitis?

Über die Ursachen der mikroskopischen Kolitis ist bisher nur wenig bekannt. Experten gehen davon aus, dass mehrere Faktoren beteiligt sind. Dazu zählen zum Beispiel bisher unbekannte Substanzen, die das Darminnere schädigen.

Bei der kollagenen Kolitis spielt in manchen Fällen möglicherweise die erbliche Veranlagung eine Rolle: Untersuchungen zeigen, dass auch bei Familienangehörigen der Patienten eine mikroskopische Kolitis aufgetreten ist.

Wie wird die mikroskopische Kolitis
behandelt?

Einmal erkannt, lässt sich die mikroskopische Kolitis in den meisten
Fällen gut mit Medikamenten behandeln. Das Medikament der Wahl ist hier Budesonid. Bei dem Wirkstoff handelt es sich um ein so genanntes Kortikoid. Es wirkt entzündungshemmend und kann in Kapselform eingenommen werden. Budesonid wird im Darminneren freigesetzt und wirkt direkt vor Ort auf die Entzündungen im Dickdarm ein.

Budesonid-Präparate müssen etwa über 8 Wochen eingenommen werden.
Sie sind in der Regel gut verträglich. Nebenwirkungen treten oft weniger häufig auf als bei anderen Kortikoiden.

Die Therapie der mikroskopischen Kolitis ist nicht heilend. Sie hilft den Betroffenen grundsätzlich, die Beschwerden unter Kontrolle zu halten.

Es kann bei der mikroskopischen Kolitis zu Rückfällen kommen. Dann spricht die Erkrankung aber in der Regel gut auf eine erneute Behandlung mit Budesonid an.

Bei wem kann die
mikroskopische Kolitis
auftreten?

Die mikroskopische Kolitis kann in jedem Lebensalter auftreten. Das Risiko, an einer mikroskopischen Kolitis zu erkranken, steigt mit dem Alter deutlich an. Etwa 8 von 10 Patienten sind zu Beginn der Erkrankung älter als 50 Jahre.
Die meisten Patienten sind zwischen 60 und 70 Jahre alt. Sehr selten tritt die mikroskopische Kolitis bei Kindern auf. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Tatsächlich sind Neuerkrankungen mit mikroskopischer Kolitis mindestens so häufig wie bei Morbus Crohn.

Was sind Risikofaktoren für
eine mikroskopische Kolitis?

Ein wichtiger Risikofaktor ist das Alter. Die mikroskopische Kolitis tritt oft in späteren Lebensjahren auf.

Menschen mit Autoimmunerkrankungen, wie zum Beispiel rheumatoider Arthritis, bestimmten Schilddrüsenerkrankungen, Diabetes oder Unverträglichkeit gegenüber dem Weizeneiweiß Gluten (Zöliakie) sind oft auch von einer mikroskopischen Kolitis betroffen.

Ein weiterer wichtiger Risikofaktor ist das Rauchen.

Bestimmte Medikamente können die Entstehung einer mikroskopischen Kolitis ebenfalls begünstigen.

Anhaltender Durchfall?

Wie hoch ist mein
eigenes Risiko für eine
mikroskopische Kolitis?

Das Risiko der Entstehung einer mikroskopischen Kolitis wird durch verschiedene Faktoren beeinflusst. Zum Teil können Sie eigenständig einige Risikofaktoren ausschließen, zum Beispiel, in dem Sie das Rauchen einschränken oder ganz aufgeben.

Unser kostenloser Risikotest kann Ihnen helfen, Ihr persönliches Risiko für mikroskopische Kolitis einzuschätzen. Aber denken Sie daran: Dieser Test ersetzt nicht das Gespräch mit Ihrem Arzt! Sprechen Sie das Thema mikroskopische Kolitis bei Ihrem nächsten Besuch bei Ihrem Hausarzt an.

Risikotest mikroskopische Kolitis

risikotest

Sie leiden unter anhaltenden*, wässrigen Durchfällen?

Wenn Sie diese Frage mit JA beantworten und zudem eine oder mehrere der folgenden Aussagen auf Sie zutrifft, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Sie eine mikroskopische Kolitis haben.

  • Sie sind eine Frau?
  • Sie sind älter als 50 Jahre?
  • Sie haben eine Autoimmunerkrankung, wie zum Beispiel rheumatoide Arthritis, Schilddrüsenerkrankungen oder Typ-1-Diabetes?
  • Sie haben eine Glutenunverträglichkeit (Zöliakie)?
  • Sie sind Raucher/in?
  • Sie nehmen ein entzündungshemmendes Medikament (z.B. Diclofenac, Ibuprofen) oder ein Medikament zur Verringerung der Magensäureproduktion (z.B. Omeprazol)?

* mehr als 4 Wochen

Wie bereite ich mich optimal auf das
Gespräch mit meinem Arzt vor?

Sie können eine aktive Rolle im Gespräch mit Ihrem Arzt spielen. Es geht um das höchste Gut: Ihrer Gesundheit. Ein klares und offenes Gespräch kann Ihnen beiden helfen, die richtigen Entscheidungen für Ihre Gesundheit zu treffen. Es ist wichtig, dass Sie Ihrem Arzt gegenüber ehrlich sind. Seien Sie freimütig hinsichtlich der Zeichen Ihrer Krankheit – auch wenn es Sie verlegen machen sollte oder beschämt. Halten Sie ein Zwiegespräch: Hören Sie Ihrem Arzt gut zu. Fragen Sie nach, um Ihre Krankheit und die Behandlung zu verstehen.

Hier ein paar Tipps, was Sie tun können, um das Beste aus dem Gespräch mit Ihrem Arzt zu machen:

Vor dem Gespräch:

  • Notieren Sie Fragen und Bedenken.
  • Fragen Sie Ihren Partner, enge Freunde oder Familienmitglieder, ob sie Sie begleiten können.

Beim Gespräch:

  • Machen Sie Notizen zu dem, was Ihr Arzt sagt – oder bitten Sie Ihre Begleitung, das für Sie zu tun.
  • Lassen Sie sich Ihre Patientenakte erklären. So können Sie Testergebnisse, Diagnose und die geplante Medikamentengabe verfolgen und sich entsprechend auf Ihr nächstes Gespräch vorbereiten.
  • Fragen Sie Ihren Arzt nach seinem bevorzugten Weg, um mit Ihnen Kontakt zu halten.

Zum Nachlesen für Sie:
Informationsbroschüre zur mikroskopischen Kolitis (PDF-Datei)

Gastroenterologen in Ihrer Nähe finden

Die Diagnose mikroskopische Kolitis gehört in die Hände eines Facharztes. Dieser Link führt Sie zur Arztsuche der Seite magen-darm-ärzte.de. Dort brauchen Sie nur Ihre PLZ einzugeben, um einen Gastroenterologen in Ihrer Umgebung zu finden.